ISSN: 2038-0925

“Die Pariser Friedensverträge 1919/20 und ihre Folgen”

Mit Kriegsende 1918 galt es, Europa – nach dem Zerfall der Großreiche (Deutsches / Russisches / Osmanisches Reich / Habsburgermonarchie) – von Grund auf zu ordnen. Neue Staaten hatten sich bereits konstituiert, über die Erbmasse der alten war noch zu verhandeln. Für mehr als ein Jahr blickte die Welt auf Paris, wo in den Schlössern der Vororte das künftige Europa entworfen wurde. Die Konferenzen sollten Klarheit schaffen und u.a. zeigen, in wie weit man sich auf die von Wilson vorgebrachten Ideen eines Selbstbestimmungsrechtes der Völker als vermeintlichem Fundament eines demokratischen Europas einzulassen bereit war. Sie sollten aber ebenso zeigen, wie sich das tatsächliche Verhältnis zwischen Sieger- und Verliererstaaten in der politischen Realität ausgestaltete. Somit gerieten die Verhandlungsergebnisse zum Eckstein politisch- gesellschaftlicher Verhältnisse während der Zwischenkriegszeit.

Die Tagung nimmt sich die vergleichende Betrachtung der Friedensverträge zum Ziel. Dabei sollen die einzelnen Beiträge drei Schwerpunkte berücksichtigen, die einen solchen Vergleich sowohl aus der zeitlichen Unmittelbarkeit der Verträge 1919/20 als auch in einem Abstand von 10 Jahren danach ermöglichen, wo in vielen Staaten bereits ein erster Rückblick stattfand: Worauf basierte die Grundlage der internationalen Beziehungen zwischen den Staaten und wie wurden diese in der Realität umgesetzt? Gab es merkbare gesellschaftlich-politischen Kontinuitäten über die Epochenschwelle 1918 hinaus und, wenn ja, wie äußerten sich diese? Wie gestalteten sich die Verfassungsrealitäten in den Nachfolgestaaten v.a. im Hinblick auf die Frage nach dem Verhältnis von Minderheiten-Mehrheiten?

 

 

DONNERSTAG, 16. MAI

18:00 Eröffnungsvortrag

Einführung & Moderation

Brigitte MAZOHL (Innsbruck/Wien)

Demokratie & Hegemonie. Präsident Wilsons Friedenspolitik 1917-1920.

Hans-Jürgen SCHRÖDER (Gießen)

***

***

FREITAG, 17. MAI

9:00-10:30 – Panel 1

Moderation: Hans HEISS (Bozen)
Versailles – (Kein) Frieden mit Deutschland?

Eckart CONZE (Marburg)

Die rechtliche Bedeutung des Vertrages von St. Germain

Thomas OLECHOWSKI (Wien)

10:30-11:00 – Café-Pause 11:00-12:30 – Panel 2

Moderation: Stephanie RISSE (Bozen)
Die Folgen von Trianon. Neue Minderheiten und Mehrheiten in (Groß)Rumänien

Rudolf GRÄF (Cluj Napoca/Klausenburg)

L’Italia e i suoi confini (1860-1919)

Matteo PROTO (Bologna)

12:30-14:00 Mittagspause 14:00-15:30 – Panel 3

Moderation: Brigitte MAZOHL (Innsbruck/Wien)
La questione delle minoranze in Alto Adige e in Italia: 1919-2019

Francesco PALERMO (Bozen/Verona)

St. Germain und Südtirol. Diskurse – Debatten – Entscheidungen

Oswald ÜBEREGGER (Bozen-Brixen) ***

SAMSTAG, 18. MAI

9:00-10:00 – Posterpräsentation

Aktuelle Forschungen zur Österreichischen Geschichte

Stefan WEDRAC (Wien)

Der hohe Preis des Friedens. Die Teilung Tirols 1918-1922

Mirko KALOPEROVIC (Innsbruck)

„Heilige Kriege“ und „Kriegsverbrechen“. Die bosnische Öffentlichkeit im Spannungsfeld der Balkankriege von 1912 und 1913. Diskursanalyse ausgewählter Periodika aus Österreich-Ungarn, Serbien und dem Reichsland Bosnien und Herzegowina

Martin ROHDE (Innsbruck)

Die imperiale Abgrenzung der Ukraine. Die Ševčenko-Gesellschaft der Wissenschaften und die Konstruktion von „Land und Volk“, 1892–1918

Martina SCHMIDINGER (Innsbruck)

Der deutsch-tschechische Nationalitätendiskurs in den niederösterreichischen Abtretungsgebieten: Sprachenpolitik im Schulwesen auf legistischer und medialer Ebene

Alexander PIFF

Nation-building im regionalen Kontext. Der Autonomiediskurs um „Welschtirol“ zwischen 1848 und 1914

10:00-10:30 – Café-Pause 10:30-12:30 – Panel 5

Moderation: Kurt SCHARR (Innsbruck)
Rettung oder Verrat der Revolution? Der Frieden von Brest-Litowsk.

Igor NARSKIJ (München/Tscheljabinsk)

Der Heilige Stuhl und die Pariser Friedensordnung

Andreas GOTTSMANN (Rom)
Abschlussdiskussion: Brigitte MAZOHL / Kurt SCHARR (Wien/Innsbruck)

Lang und hart hat das Volk von Deutschösterreich auf diesen Tag gewartet, der über sein Schicksal Gewißheit bringen soll. Wir haben die Stunde der Entscheidung herbeigesehnt, vor allem, weil sie dem schwergeprüften Land endlich den Frieden schaffen soll, dann aber auch, weil sie uns Gelegenheit bietet, vor diesem hohen Forum, auf das die ganze Welt hört, auszusprechen, was wir sind und unter welchen Bedingungen wir ein lebensfähiges Staatswesen zu werden hoffen können. – Es ist ein neuer Staat, den zu vertreten wir hier berufen sind. Die Donaumonarchie, mit der die alliierten Mächte Krieg geführt und mit der sie den Waffenstillstand geschlossen haben, hat am 12. November 1918 zu bestehen aufgehört. An diesem Tage bestand weder ein Monarch mehr noch eine Großmacht, der ein solcher vorstand, noch der unheilvolle Dualismus noch eine österreichische oder ungarische Regierung oder Armee noch irgendeine sonstige staatliche Institution mehr. – Es gab nur noch sieben Nationen ohne Staat, und diese schufen sich über Nacht eigene Parlamente, eigene Regierungen und eigene Heere, kur, ihre eigenen Staatswesen. Unsere junge Republik ist wie alle anderen entstanden und ist ebensowenig wie diese der Nachfolger der Monarchie. [...] Wir wissen, dass wir den Frieden aus den Händen der Sieger, zu empfangen haben [...] Denn Sie, die Schiedsrichter der großen Welt, werden auch über unsere kleine Welt richten.

Wissenschaftliche Leitung

Brigitte MAZOHL (Innsbruck, Wien) Brigitte.Mazohl@aon.atKurt Scharr (Innsbruck) Kurt.Scharr@uibk.ac.at

Koordination & Kontakt

Verena POHL (Meran) verena.pohl@adsit.org

Scrivi un commento